Welche Deutschen Griechenland retten wollen

Thilo Sarrazin giftet gegen die Euro-Rettung. Doch bis jetzt habe ich den Eindruck, dass seine neusten Äußerungen die Menschen viel weniger interessiert als der Stuss, den er über Einwanderer verbreitete. Trotzdem werden seine populistischen Thesen vermutlichen etwas Widerhall finden (auch wenn es gar keine Thesen sind, sondern Vorurteile, an die er ein paar Zahlen geklebt hat).

Denn nicht jeder in Deutschland will Griechenland retten. Drei Politikwissenschaftler haben mal nachgeforscht, warum das so ist. Michael M. Bechtel (ETH Zürich), Jens Hainmueller (MIT) und Yotam M. Margalit (Columbia) haben auch herausgefunden, wer für die Rettungspakete ist.

Zunächst sind die Befürworter eine Minderheit:

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Sind eher reiche oder eher ärmere Menschen unter den Gegnern? Hier fanden die Wissenschaftler keine statistisch signifikante Korrelation. Die gibt es bei der ethischen Einstellung: Wer oft spendet, also altruistisch und weniger egoistisch ist, unterstützt den sogenannten bailout eher.

Hier das Abstract aus dem Paper Sharing the Pain: Explaining Public Opinion Towards International Financial Bailouts

Our analysis uses observational and experimental data from Germany, the country shouldering the largest share of the EU’s financial rescue fund. We find that while the economic features of the bailout package itself strongly affect voters’ willingness to support the transfers, individuals’ own economic standing has limited explanatory power in accounting for their position on the bailouts. In contrast, social dispositions such as altruism and cosmopolitanism are robustly associated with support for the bailouts. The results indicate that the current divide in public opinion over the bailouts is less along distributive lines between domestic winners and losers, but better understood as a foreign policy issue that pits economic nationalist sentiments versus greater cosmopolitan affinity and other-regarding concerns.

 

 

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Wie groß ist die Netzgemeinde? Heveling weiß es

Wer hat die digitale Deutungshoheit? Vor ein paar Monaten schrieb Sascha Lobo:

Die Macht der Vernetzung, explizit die Macht der Blogs, vernetzt durch soziale Medien, besteht auch in einer schleichenden Deutungshoheit. Begriffe werden besetzt und ausgedeutet, Personen verortet, politische Strömungen mit Beigeschmäckern versehen. Das kannte man von den Massenmedien des 20. Jahrhunderts – aber nun scheint es mir, als würden situativ die zehn ersten Googletreffer zu egal was von vielleicht fünfzig extrem gut vernetzten Einzelpersonen stark beeinflusst werden können.

Lobo schätzt in dem Beitrag, dass 750.000 Leute "im weiteren Sinn zu 'Netzgemeinde' gehören".

Falls es sie gibt: Wie groß ist die Netzgemeinde wirklich? Ein guter Indikator könnten die Leserzahlen für den Gastbeitrag von MdB Ansgar Heveling im Handelsblatt sein. Titel: "Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!" Außerhalb der Netzgemeinde, die den Beitrag zur Kenntnis nahm, wird sich kaum jemand für einen komischen Text eines unbekannten Politikers interessiert haben.

Das Magazin Wirtschaftsjournalist veröffentlicht, welche Artikel auf handelsblatt.com (und ftd.de) am meisten geklickt werden. Dort sind ausgewiesen: 256.842 Zugriffe für Heveling. Das sind Erstaufrufe ohne Klicks auf weitere Seiten.

***

Zum Vergleich noch die Top-3-Klickbringer der letzten acht Wochen des Handelsblatt:

Wie wir beim Einkaufen betrogen werden: 273.350 Zugriffe.

Wenn der Steuerfahnder klingelt: 298.084 Zugriffe.

Welche Aktien Sie halten sollten - welche verkaufen: 436.288 Zugriffe.

Die Vergleichszahlen stammen aus dem gerade erschienen Heft, die Hevelingzahlen aus der vorigen Ausgabe, sind also Stand von vor zwei Monaten. Da der Gastbeitrag aber am 30. Januar erschien, taucht er im aktuellen Ranking nicht mehr auf, weil nur Texte aus Februar und März berücksichtigt werden.

 

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Wer mich 2011 bezahlt hat

Der britische Journalist George Monbiot hat angefangen, alle seine Einkommen offenzulegen. Das finde ich gut. Journalisten arbeiten in der Öffentlichkeit für die Öffentlichkeit und sollten dementsprechend auch über sich transparent Auskunft geben.

Hier ist nun gesammelt, für wen ich im vergangenen Jahr gearbeitet habe, etwas detaillierter als bisher in der linken Spalte.

Im Februar/März war ich bei der Kölner Agentur Ergo Kommunikation (nicht mit der Versicherung verwandt oder verschwägert), denn zur Ausbildung an der Kölner Journalistenschule gehörte ein Praktikum bei einer PR-Abteilung. Kunden, mit denen ich während des sechswöchigen Praktikums in Berühung kam: Bundeswirtschaftsministerium, DnB NOR, FXCM, UBS, Pioneer, Investec (also hauptsächlich Finanzkommunikation).

Im März fand in Köln der World Business Dialogue statt, ein von Studenten ehrenamtlich organisierter Wirtschaftskongress, für den ich eine Podiumsdiskussion und eine Veranstaltungszeitung mitorganisiert habe. Über den Kongress habe ich auch einen Artikel für den ehrenamtlich betriebenen Köln-Blog Elfnachelf geschrieben, der von der Kölner Universitätszeitung für ein kleines Honorar nachgedruckt wurde (PDF). Was ich für Elfnachelf sonst geschrieben habe, steht hier.

April, Mai, Juni, Juli habe ich frei bei Süddeutsche.de gearbeitet, im Ressort Wirtschaft. Einige Artikel wurden von der SZ nachgedruckt. Online erschiene Artikel kann man auf dieser Seite sehen.

Im Mai habe Ich auf einem Tourismus-Kongress einen Vortrag über Social Media und Journalisten gehalten, für eine Übernachtung, Essen, Trinken und 15 Minuten Aufmerksamkeit (Details in diesem Blog-Post).

Im September, Oktober, November, Dezember habe ich ein paar Stücke für die Süddeutsche Zeitung und Süddeutsche.de aus Korea geschrieben, weil ich in der Zeit in Seoul gelebt habe.

Ende Dezember ist in der Neon ein kleiner Text darüber schienen, dass eine russische Eliteuniversität bewusst Kriminelle aufnimmt.

Meine Einnahmen haben nur in den Monaten bei Süddeutsche.de, also April bis Juli, eine vierstellige Summe erreicht.

Als ich nicht gearbeitet, sondern studiert habe, bekam ich finanzielle Unterstützung durch eine Stiftung. Desweiteren habe ich ein paar Kapitalerträge aus Festgeld. Ich besitze keine Aktien.

In Anspruch genommene Presserabatte: null.

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Bloggen? Denken!

Mein neuer Arbeitgeber hat einen neuen Blog.

Für die beteiligten Autoren ist das Digitalblog deshalb keine simple Publikationsgattung, sondern ein Chiffre für den Versuch, der vernetzten Struktur der digitalen Welt gerecht zu werden und den Dialog als Teil des Publizierens im Netz zu verstehen. Es soll ein Instrument sein, den digitalen Wandel der Gesellschaft und die anhaltenden technischen Revolutionen zu begleiten; die entstehenden Debatten zu spiegeln, zu bündeln und anzureichern.

Das gefällt mir. Es kommt meiner persönlichen Definition vom Bloggen sehr nahe: Bloggen ist öffentliches Denken. So ähnlich hat es auch schon einmal John Sides beschrieben, der Politikprofessor bloggt hier.

Ich denke außerdem (schon geht's los mit dem öffentlichen Denken), dass es ergiebiger ist zu versuchen, das Bloggen zu definieren als den/das Blog. Bloggen als Kulturtechnik, Denk- und Arbeitsweise, dialogisch, nie abgeschlossen oder fertig, offen, transparent und deswegen individuell, weil ja ein Gehirn denkt (oder mehrere zusammen oder nacheinander).

Christoph Kappes denkt sich anders an den Blog-Begriff heran, technischer, eher von der Produktionsseite, den formalen Vorgaben.

Wer übrigens genauer wissen will, wie ich so denke, kann dies auch bei Delicious tun: Dort speichere ich Artikel, die ich mir merken will - in meinem öffentlichen mentalem Exoskelett.

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Nackige Journalisten, Teil II

Meine These, die Internetisierung der Medien mache die Journalisten nackig, wurde erst durch Stefan Niggemeier schön belegt. Jetzt schreibt auch Thomas Lückerath:

Nur früher als es noch kein Internet gab und jeder nur Zugriff auf seine lokale oder regionale Zeitung hatte, fiel es nicht direkt auf, dass [das Drucken von Texten der Nachrichtenagenturen] keine Eigenleistung des jeweiligen Mediums war. Doch durch den Zugriff auf unendlich viele Informationsangebote durch das Web wird nun sehr offensichtlich wie wenig Eigenleistung in vielen redaktionellen Angeboten steckt. Der Leser ist halt schlauer geworden. Viele Medien noch nicht.

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Social Media macht die Journalisten nackig

Bei dieser Konferenz über Social Media haben fast alle meine Vorredner über Journalismus gesprochen, der sich mit Social Media verändert. Dabei ging es eigentlich um Krisenkommunikation im Tourismus. Toll. Das war mein Thema. Ich sollte als Journalist doch erzählen, wie Social Media die journalistische Arbeit verändert. Doch da sind wir schon mitten drin: Die neuen technischen Möglichkeiten können aus jedem einen Reporter machen, zum Verbreiten von Nachrichten braucht man keine Druckerpresse mehr. Ich habe dann trotzdem was gesagt — das hier.

Social Media macht die Journalisten nackig.

Naked Cowboy in February

Nur der Journalist konnte einst Nachrichten verbreiten, alle gesellschaftlichen Akteure waren auf sie angewiesen. Niemand hatte eine Fernsehstudio im Keller. Das ist passé. Die Menschen erkennen, dass der journalistische Anspruch beim reinen Weiterleiten von Material aus den Nachrichtenagenturen gering ist.
Früher war der Korrespondent der Held, er berichtete wagemutig aus den Krisengebieten dieser Welt. Die Wahrheit war und ist oft, dass die Libyen-Berichterstattung aus Kairo kommt, die Gaza-Berichte aus Tel Aviv. Gähn.
Heute: Mubarak verspricht, in ein paar Monaten vielleicht zurückzutreten. Der Fernseh-Korrespondent sagt in den Spätnachrichten sinngemäß: Und da hören wir den Jubel, die Leute freuen sich, dass der Diktator in ein paar Monaten vielleicht zurücktritt. Gutjahr — Journalist und Blogger — ist auf dem Tahir-Platz und berichtet mit seinem iPhone. Er hört, dass die Menschen wütend sind. Schreie der Wut. Er sieht, dass sie ihre Schuhe zeigen. Das ist keine Freunde. Und er berichtet darüber — live. Handgemachter Journalismus.
Fakten kann jeder googlen, alte Autoritäten sind nicht mehr automatisch Autoritäten. Stattdessen läuft viel über Relevanz und Einfluss und Reputation und Image.

Twitter ist individuelle Massenkommunikation.
 Twitter ist mehr als ein Diffusionskanal. Es ist ein „individueller strukturierter Diskursraum für Themen öffentlicher und teilöffentlicher Relevanz" (Studie der Uni Wien, April 2011).
Der Artikel über die Bundestags-Debatte zur Reform des Versicherungsrechts für Traktorenreifen — das interessiert fast niemanden — findet endlich sein Publikum. Und: Die Organisation tritt hinter den einzelnen Kommunikator. Oder er löst sich gar (@gutjahr). Der Einzelne als Marke.
Andy Carvin alias @acarvin ist der Mr. Kuratierung. Er macht es vor, wie Journalisten auch berichten können, meist einfach nur durch einordnende Retweets. So gibt er seinen Followern alle wichtigen Infos zur arabischen Revolution. Wer ihn als Multiplikator erreichen will, kann Infos per @acarvin zuliefern. Eine Person als Informationshub. Und zwar nicht, weil er zufällig an den technischen Produktionsmitteln Fernsehstudio oder Druckerpresse sitzt, sondern weil er's kann. Und nur für die, die es interessiert.

Social Media verändert den Journalismus: Alles wird besser.
1) Keiner ist so schnell wie die Menschen. Augenzeugen mit Smartphones sind neue Quellen neben Nachrichtenagenturen. Auch ihr Monopol wird gebrochen — let's call it breaking news agencies. Irgendwer ist immer ein Augenzeuge. Die Journalisten werden nie wieder die Ersten sein. Get used to it.
Ein Beispiel: Am Kongressmorgen, Dienstag, war #spanishrevolution ein Trending Topic, sogar für deutsche Twitterer. Die ersten Meldungen über Proteste in Spanien lieferten die Agenturen erst Stunden später: AFP um 22.05 Uhr, "Demonstration in Madrid für politische und soziale Reformen", DPA um 23.42 Uhr, "Tausende Spanier demonstrieren für soziale Reformen". Die baskische Regierung versucht, darauf zu reagieren, und benutzt dieses Tool, um Nachrichten zu erkennen, bevor sie zu offiziellen Nachrichten werden. Es wertet Tweets im Baskenland aus, bei vielen Retweets und Tweets zum Thema bekommt die Lokalregierung eine E-Mail, und der Begriff auf der Karte erscheint rot.
2) Eine Revolution ist keine Nachricht, sondern ein Prozess. Ich kann die Geschichte mit Storify besser erzählen, oder mit Live-Blogging.
3) Ein Journalist kann mit Social Media seine Authentizität erhöhen und transparenter arbeiten. Seine Quellen legt er mit Links offen. Sein Social Circle und seine Peer Groups werden öffentlich. Social Media funktioniert in Teilen als Relevanzmesser. Und als Rückversicherungskanal: Irgendwer wird mir schon sagen, wenn ich die Söhne Ghaddafis verwechsele.

Social Media verändert den Journalismus: Alles wird schlechter.
1) Social Media ist die Verlagerung des Augenzeugen-Dilemmas ins Internet. Augenzeugen sind toll, bringen aber auch Probleme mit sich. Manche sind Wichtigtuer, andere schlecht informiert, einige haben eine hidden Agenda, manchmal sind sie traumatisiert, oder Stille Post verfälscht den Bericht. Außerdem: Jeder kann jetzt Augenzeugen finden, und als Journalist muss man sie erstmal finden.
2) Bei der Suche nach Augenzeugen werde ich scheitern. Denn ich suche Augenzeugen von Ereignissen, von denen ich nicht weiß, dass sie stattgefunden haben. Ich werde nie sieben Milliarden Menschen zuhören können. I will miss stories. Das muss man akzeptieren. Der Stream, der Nachrichtenfluss bedingt den Kontrollverlust. Filtern ist toll, wird aber fehlgeschlagen. Irgendwas ist ja immer. Too Much Input. Too Much Information. Too Many Voices.

Menschenmassen

3) Die Druckerpresse ist zwar weg, aber wir sind trotzdem abhängig von technischer Infrastruktur. Wenn der Kill Button das Internet nicht lahm legt: Roaming is killing me.

Verifizieren.
Woher weiß ich, ob ein Twitterer lügt? Die Frage ist im Kern alt: Woher weiß ich, dass mich jemand am Telefon belügt?
Neue Fragen: Wer hat das Youtube-Video hochgeladen? Zeigt es wirklich eine Häuser-Ecke in Teheran? Sind es Bilder von gestern oder von vor zwei Jahren? Was rufen die da auf Persisch, die Qualität ist so schlecht? Man kann sich auch nicht blind auf Agenturmaterial verlassen. Und das ist auch gut so. Wie kann ich die Seriosität eines Twitterers einschätzen? Seinen Einfluss?

Für jede große Organisation sind neue technische Möglichkeiten Herausforderungen. Das gilt auch für medien-affine Medienunternehmen. Beispiel ist die Tagesschau, die einerseits einen tollen Blog hat, der redaktionsinterne Entscheidungen öffentlich macht und zur Diskussion stellt. Andererseits blenden sie über heruntergelandene Youtube-Videos: „Quelle: Internet. Autsch. Ich schreibe doch auch nicht „Quelle: Buch“ oder „Quelle: Telefon“.

The bottom line
Social Media hält Einzug in die Medien. Und das hier ist ein tolles Foto.

Zweifel …

Wer mehr über den digitalen Medienwandel wissen will, dem empfehle ich den Blog von Ulrike Langer alias @mauisurfer25.

Photo-Credits in order of appearing (unter CC-Lizenz):

Das ganze in Slides:

Offenlegung:
Das Honorar für Referenten bestand aus einem Abendessen und einer Übernachtung (****) in Ingolstadt. Das Outlet Ingolstadt Village hat die Veranstaltung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt maßgeblich gesponsert. Die Referenten haben je einen Gutschein über 30 Euro für die Shopping Mall bekommen, einzulösen bis 30. 09. Werde ich verfallen lassen. Achja, und mein Wasser-Glas hatte ein Audi-Logo.

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Virale Videos: Professionell oder draufhalten?

Journalismus-Professor Ken Kobré hat analysiert, wie sehr The Columbus Dispatch auf journalistische Standards bei der Golden-Voice-Story verzichtet hat. (What the hell is the Golden-Voice-Story? CNN tells you.)

Erst ein Verlagsfremder hat das Video auf Youtube gestellt, so Kobré, und erst damit war die Infrastruktur bereit, um das Video viral zu verbreiten. Kobré geht auch hart ins Gericht mit der journalistischen Aufbereitung des Initialvideos:

A sound bite is not a story. Look at how much basic journalistic info is missing from that initial story -- wonderful details filled in later by TV reporters who did due diligence. Basically the reporter turned on the videocamera, asked one question, and let the subject ramble. That's fine for wedding receptions, not for interviews.

 

Das ist vollkommen berechtigt. Doch vielleicht ist der Mangel an Professionalität hilfreich gewesen, um das Video viral gehen zu lassen. Ich habe auf der Seite kommentiert (z.Zt. noch in der Prüfschleife und nicht veröffentlicht):

Do you think the amateurishness helped it to go viral? That people might be more likely to share content they would have been able to produce as well? The story was told—by accident, I suppose—from the perspective of anybody driving by.

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Irrationaler Rationalismus

Olaf Storbeck vernichtet in seinem Handelsblatt-Essay die
Mainstream-Wirtschaftswissenschaften:

Echte Menschen agieren oft ganz anderes, als es die ökonomische Zunft in den Modellen unterstellt. Wir treffen unsere Entscheidungen
keineswegs rational und bilden auch unsere Erwartungen nicht auf diese Weise. Wir werten neu verfügbare Informationen keineswegs systematisch aus, sondern reagieren nur sehr träge auf sie und holen oft nicht das Optimum aus ihnen heraus. Bei unseren Entscheidungen orientieren wir uns an einfachen Faustregeln, sind oft kurzsichtig und schätzen Wahrscheinlichkeiten und Risiken häufig falsch ein. Zudem sind wir keineswegs so egoistisch, wie Ökonomen annehmen. Uns liegt viel an Fairness, aber auch an unserem relativen Status im Vergleich zu unseren Mitmenschen.

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Meedia geht in die Weihnachtsferien

Exklusives Stück sichert besten Verkauf 2010
Schlagzeile auf Meedia. Der Branchendienst feiert heute schon mal den Spiegel-Titel mit Gauck und Kachelmann drauf als best-verkauftestes Magazin-Cover 2010.

Es ist der 13. Juli 2010.

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Vermögensabgabe auf Zeit-Online

Ich habe für Zeit.de über den Appell Vermögensabgabe geschrieben. Die Gruppe fordert höhere Steuern für Reiche, dabei sind die meisten Mitglieder selbst Millionäre. Hier ist die Geschichte, warum diese Menschen mehr Solidarität in unserer Gesellschaft erzwingen wollen.

Spannend fand ich die Debatte, die der Veröffentlichung folgte. Es sind, Stand jetzt, 119 Kommentare eingegangen. Das ist viel. Einerseits gab es Lob für Dieter Lehmkuhl, den Millionär, den ich im Beitrag porträtiere. Anderseits ist offensichtlich die Bemessungsgrenze von 500.000 Euro besonders diskussionswürdig, also die Grenze, ab der Deutsche fünf Prozent Vermögensabgabe zahlen sollen. Einige Kommentaren haben Angst, dass sie schon aufgrund ihres Häuschens über dieser Grenze liegen.

Andere User fanden die Diskussion nicht so dolle.

Ich wundere mich schon seit einiger Zeit, wie viele "Schwätzer" gerade im online-Format der ZEIT ihre verbalen Entgleisungen gefahrlos verbreiten dürfen und wie sie unqualifiziert drauflos schwadronieren können. Das wertet jeden guten Kommentar ab und lässt dieses Meinungsforum auf ein sehr niedriges Niveau abgleiten. (jeannotloup2)

Die ZEIT, als paper oder online, hat auch einen Ruf zu verlieren. Das muss ich auch kritisch anmerken, wenn jeder einfach so drauflos palavert. (jeannotloup2)

Mir hat die Diskussion geholfen. Denn sie zeigt: Der Knackpunkt der Geschichte ist die Bemessungsgrenze von 500.000 Euro. Manche finden sie gerecht, andere überzogen. Das sie so wichtig für die Akzeptanz einer Vermögensabgabe ist, habe ich erst durch die Kommentare erkannt. Vorher habe ich wenig Gedanken daran verschwendet, ob das zu besteuernde Vermögen nur aus Kapital besteht oder auch aus Grund und Boden, und ob die Grenze nun bei 500.000 Euro oder doch höher oder niedriger liegen sollte. Mir ging es mehr um die Motivation der im Appell organisierten Millionäre und den Solidaritäts-Aspekt. Doch dank der Leser-Ergänzungen zum Artikel würde* ich jetzt Herrn Lehmkuhl im Interview die Frage stellen, ob er Leuten ihr klein Häuschen wegenehmen will. Die Antwort wäre sicher spannend.

* Bevor jemand fragt: Das ist zur Zeit nicht möglich. Sommerpause und so.

 

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